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Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse

Verffentlicht am: 8. März 2010

Die Schnupperprobe im Sekundarstufenzentrums in Troisdorf-Sieglar, wo der Troisdorfer Kammerchor e.V. jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr probt und sich ber weitere Mitglieder freuen wrde, wird mir in steter Erinnerung bleiben. Dafr hat Chorleiter, Chorgrnder und Komponist Manfred Hilger auf nachhaltige Weise gesorgt. Zunchst widmete er sich mit den stimmlich vorbildlich geschulten Singstimmen (unter denen sich auch Mitglieder befinden, die Gesangsunterricht haben) den harmonisch geprgten Einsingbungen. Diese lieen rasch erkennen, dass der Chordirigent peinlich genau auf ein sauberes und klares Tonbild achtet und keine stimmlichen Halbheiten duldet. Danach intonierte man im Forum, dass wie kleines Amphitheater konzipiert ist und bei dem ein groes Mobile mit Notensymbolen von der Decke baumelt, den Chorsatz Seht welche Liebe hat der Vater uns erzeiget aus dem Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der hochromantische Komponist gibt hiermit ein weiteres Beispiel fr seine ergreifende Gefhlsflle und die schlichte Melodiefindung.
Die Sngerinnen und Snger vertieften sich wirklich in die Partitur des geschtzten Melodikers, nachdem der Chorleiter angemahnt hatte, dass man diesen beispielhaften Chorsatz auch wirklich verinnerlicht haben msse und sich daher glaubhaft auf den Komponisten einlassen msse. Es war fr mich erstaunlich, mit welcher Akkuresse und Akzeptanz die Chorstimmen, die gewnschten Korrekturen von Manfred Hilger aufgriffen und in klingende Musik umsetzten. Dann packte Hilger seinen eigenen Notenkoffer aus und gab einen umfassenden Einblick in seine kreative Notenwerkstatt. Da ist er in prominenter Gesellschaft mit Landeschorleiter Prof. Michael Schmoll, der seine Kompositionen auch mit seinen Chren einstudiert.
Ein Paradebeispiel fr berzeugende Kompositionskunst ist die vierstimmige Motette Tenebrae factae sunt fr Chor, Basolo und Orgel/Orchester, die in ergreifender Manier die Bibelszene des Heilands lebendig werden lt. Da sind wirklich alle Singstimmen bis auf das uerste gefordert (vor allem der Chorbass), um die Todesqualen zu vergegenwrtigen. Wie in Hilgers Leidenskantate Kreuz und Tod endet die bittere Todesstunde (und hauchte seinen Geist aus) wiederum vershnlich und lt uns auf ewiges Leben hoffen. Der Chorleiter forderte einmal mehr Gestaltungs- und Ausdruckskraft ab. Das gilt auch fr das wiederum bekennende Lied der Mignon (Nur wer die Sehnsucht kennt) nach einem Text aus Goethes Wilhelm Meister und die kurios-skurrilen Liedstze Der Esel (mit beeindruckenden Sprechpassagen), Das Nasobem (auf der Nase schreitendes Wesen, da0 weder im Brehm noch im Brockhaus zu finden ist) und der Schnupfen (der auf der Terrasse hockt und auf Opfer lauert) nach Texten von Wilhelm Busch und Christian Morgenstern. Wie schn den ernsthaften Musiker und Komponisten, auch einmal von seiner humorvollen Seite kennenzulernen. Bei der Chorprobe hatte er seinen Humor einmal mehr bewiesen.

Walter Dohr

Kategorie: Chorlive.
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